Führungsstile und Führungstechniken l Definition l Beispiele

Führungsstile und Führungstechniken

Führungsstil Definition

Der Ausdruck Führungsstil bezeichnet das Verhalten von Führungskräften gegenüber Arbeitskräften in untergeordneten Hierarchiepositionen. Dieses Verhalten ist besonders deshalb von großer Bedeutung, da es als Indikator für Unternehmenskultur sowie das im Unternehmen vertretene Menschenbild gilt. 

Eine Beurteilung von Führungsstil sowie eine Klassifizierung bezüglich richtigem oder falschem Verhalten ist aus dem Grund problematisch, da jede*r Arbeitnehmer*in in seinen oder ihren Bedürfnissen sowie Verhalten individuell ist. Das führt dazu, dass das ideale Führungsverhalten abhängig von Situation, Person, persönlicher Arbeitsweise sowie Persönlichkeit ist.

Führungsstil Bedeutung

Durch seine erheblichen Auswirkungen auf die Attraktivität eines Unternehmens, ist der Führungsstil von großer Bedeutung. Er wirkt sich unter anderem stark auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus, wodurch wiederum Motivation sowie Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer*innen beeinflusst werden. Darüber hinaus nimmt er sowohl auf Mitarbeiterfluktuation als auch auf Bewerberanzahl Einfluss. Insgesamt kann also festgehalten werden, dass der vorherrschende Führungsstil den Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflusst.

Verschiedene Führungsstile

Aufgrund der Individualität eines angemessenen Führungsstils gibt es zahlreiche verschiedene Führungstheorien und -techniken, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Die am weitesten verbreiteten Theorien dabei sind von Kurt Lewin und Max Weber. Ein modernerer Ansatz ist mit dem gruppenbezogenen Führungsstil von Hans-Joachim Rahn formuliert worden.

Führungsstile nach Kurt Lewin

Die von dem deutschen Sozialpsychologen Kurt Lewin definierten Führungsstile werden auch als „klassische Führungsstile“ bezeichnet. Er entwickelte sie anhand verschiedener empirischer Studien.

Autoritärer Führungsstil

Beim autoritären Führungsstil erfolgt laut Lewin eine deutliche Trennung zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterschiedlicher Hierarchiestufen. Während die Unternehmensleitung sämtliche Entscheidungen allein trifft, sind die Mitarbeiter*innen für die Ausführung dieser Managemententscheidungen zuständig. Kritik von Seite der Mitarbeiter*innen ist dabei unerwünscht. Insgesamt wird bei diesem Führungsstil sehr wenig auf die Bedürfnisse sowie Anforderungen der Mitarbeiter*innen eingegangen, sodass ein sehr distanziertes Verhältnis zwischen den einzelnen Hierarchiestufen herrscht. 

VorteileNachteile
– Schnelles Treffen von Entscheidungen
– Klare Regelung der Kompetenzen 
– Demotivation der Mitarbeiter*innen 
– Gesamte Verantwortung bei einer Person
→ höheres Risiko von Fehlentscheidungen

Kooperativer Führungsstil

Im Gegensatz zum autoritären Führungsstil haben die Mitarbeiter*innen bei der kooperativen Führungstechnik die Möglichkeit, aktiv an Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Es geht also vornehmlich um die Zusammenarbeit zwischen einer Führungskraft und ihrem Team. Die Tätigkeiten dieser Führungspersönlichkeit sind dabei vor allem das Delegieren der anfallenden Aufgaben sowie die Förderung der Mitarbeitermotivation. Von den Arbeitskräften wird entsprechend ein gewisses eigenverantwortlichen Arbeiten erwartet. 

VorteileNachteile
– Austausch fördert Eigeninitiative und Kreativität
– Verantwortung auf mehrere Bereiche verteilt, dadurch Entlastung einer einzelnen Führungskraft
– Höhere Identifikation der Mitarbeiter*innen mit einem Unternehmen
– Möglichkeit des Kontrollverlustes der Führungskraft
→ dadurch schwierige Entscheidungsfindung und mangelnde Disziplin unter Arbeitskräften
– Stärkere Konkurrenz zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

Laissez-Faire Führungsstil

Der Laissez-Faire-Führungsstil ist als das völlige Gegenteil des autoritären Stils definiert. Die Arbeitnehmer*innen haben hier völlige Entscheidungsfreiheit, also einen sehr großen Handlungsspielraum. Sämtliche anfallenden Entscheidungen werden im Team getroffen, und die Aufgaben werden frei, ohne Eingreifen der Führungskraft, gestaltet. 

VorteileNachteile
– Freie Entfaltung der Arbeitnehmer*innen 
– Förderung von Kreativität, Eigenständigkeit und Selbstverwirklichung
– Mangelnde Absprache und schlechte Koordination
→ mangelnde Kontrolle
– Rivalitäten 

Führungsstile nach Max Weber

Der deutsche Soziologe definiert vier idealtypische Führungsstile, die er 1922 in seinem Buch „Wirtschaft und Gesellschaft“ veröffentlicht hat. 

Autokratischer Führungsstil

Der autokratische Führungsstil beschreibt die unumstrittene Alleinherrschaft der Unternehmensleitung. Hier liegen also strenge Hierarchiestrukturen zugrunde, die sich beispielsweise in der ständigen Kontrolle der Mitarbeiter*innen äußern sowie darin auszeichnen, dass Arbeitnehmer*innen in keinem Fall in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird entsprechend Untergebenheit, Gehorsam sowie Disziplin gefordert. 

VorteileNachteile
– Oft schnelle Handlungsfähigkeit durch schnelles Treffen von Entscheidungen
– Kann für Mitarbeiter*innen entlastend sein, da sie keine Verantwortung übernehmen „müssen“
– Oft wenig Motivation bei Arbeitskräften
→ Mangel an Kreativität/Innovation & Selbstständigkeit
– Oft negative/angsterfüllte Arbeitsatmosphäre
– Oft hohe Krankenstände
– Oft hohe Mitarbeiterfluktuation

Patriarchalischer Führungsstil

Auch beim patriarchalischen Führungsstil liegt die alleinige Entscheidungsgewalt bei der als „Patriarch“ bezeichneten Führungsperson. Im Unterschied zum Alleinherrscher des autokratischen Führungsstils zeichnet sich der Patriarch jedoch durch eine väterliche Güte und Wohlwollen gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus. Er hegt ihnen gegenüber ein gewisses Verantwortungsgefühl. Auch hier sollen die Arbeitnehmer*innen unterwürfig und gehorsam sein. 

VorteileNachteile
– Mitarbeiter*innen haben Regeln als klare Verhaltensnormen
– Recht schnelles Treffen von Entscheidungen, da keine Rücksprache nötig ist
– Erhöhte Fehlerquote, da Entscheidungen nur von einer Führungskraft getroffen werden
– Demotivation der Mitarbeiter*innen
→ Einschränkung der Kreativität, Sinken der Produktivität

Bürokratischer Führungsstil

Der bürokratische Führungsstil ist oft bei Behörden, Ämtern sowie Ministerien vorzufinden. Hier liegt sämtliche Macht in den Strukturen und ist nicht an bestimmte Personen gebunden. Da Führungspositionen oft nur auf Zeit vergeben werden, herrscht eine hohe Austauschbarkeit. 

Entscheidungen werden auf Basis vorgefertigter Regeln, Gesetze und Vorschriften getroffen, das heißt es gibt für sämtliche Situationen klare Richtlinien. 

VorteileNachteile
– Genaue Arbeitsanweisungen und geregelte interne Unternehmensabläufe
– Geringere Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen
– Mitarbeiter*innen sind nicht von Willkür einzelner Personen abhängig
→ weniger auf Sympathie basierende Ungerechtigkeiten
– Vorgesetzte Personen durch geringen Entscheidungsspielraum eingeengt
– Langwierige Entscheidungswege, dadurch erschwerte Umsetzbarkeit von Veränderungen
→ wenig Flexibilität
– Wenig Einbringung eigener Ideen, dadurch Verringerung der Mitarbeitermotivation

Charismatischer Führungsstil

Charismatische Führungskräfte können Mitarbeiter*innen oft besonders gut motivieren und fungieren darüber hinaus als Vorbild. Sie selbst sind oft durch eine hohe Motivation sowie großes Selbstbewusstsein ausgezeichnet. Der charismatische Führungsstil basiert also vollkommen auf dem Charisma und der Ausstrahlung der Führungskraft. 

VorteileNachteile
– Hohe Flexibilität
– Recht hohe Selbstbestimmung und Verantwortungsübernahme der Mitarbeiter*innen
– Fördert Identifikation mit Unternehmen
– Steigert Motivation
– Sehr personenabhängig, da Charisma nicht erlernbar ist

Führungsstile nach Horst-Joachim Rahn

Der deutsche Betriebswirt, Hochschullehrer und Schriftsteller Horst-Joachim Rahn gilt als Begründer der gruppenorientierten Führungsstile sowie der systemorientierten Personalführung. In diesem Zusammenhang vertritt er die Grundannahme, dass jede*r Mitarbeiter*in anders sei, weshalb er auch anders als seine Teammitglieder geführt werden müsse. Er richtet sich also an jedes Mitglied einer Gruppe individuell. Um diese Individualität bezüglich des entsprechenden Führungsstils umsetzen zu können, braucht eine Führungskraft – laut Rahn – deshalb zwangsläufig drei spezielle Eigenschaften: 

  1. Analysefähigkeit
  2. Beobachtungsgabe
  3. Empathie

Fördernder Führungsstil

Der fördernde Führungsstil richtet sich in erster Linie an besonders leistungsstarke Mitarbeiter*innen. Sie sollen durch zusätzliche Kompetenzen und Verantwortung weiter motiviert werden. 

Anspornender Führungsstil

Im Rahmen des anspornenden Führungsstils sollen leistungsschwächere Arbeitnehmer*innen durch das Messbarmachen von Leistungen animiert werden. Dazu werden in speziellen Mitarbeitergesprächen individuell strukturierte Ziele festgelegt.

Bremsender Führungsstil

Unruhestifter*innen, die die Arbeitsatmosphäre negativ beeinflussen, sollen durch den Einsatz von Strenge sowie Autorität kontrolliert werden. 

Wertschätzender Führungsstil

Der wertschätzende Führungsstil zielt darauf ab, Mitarbeiter*innen, die zu einer positiven Grundstimmung beitragen, indem sie beispielsweise den Teamzusammenhalt stärken, mit Anerkennung zu loben. 

Integrierender Führungsstil

Der integrierende Führungsstil findet oft bei neuen Mitgliedern sowie Außenseiterinnen und Außenseitern Anwendung. Hierbei geht es um das schrittweise erfolgende Heranführen an die Gruppe sowie um das Anbieten von Hilfe und Unterstützung. 

Ermutigender Führungsstil

Im Rahmen des ermutigenden Führungsstils sollen schüchterne/stille Teammitglieder motiviert werden. Dies erfolgt vor allem durch das Zeigen von Verständnis, Empathie und Menschlichkeit.