Arbeitgebersiegel 🥇 Überblick, Vergleich und Kosten
Quality auf Schultafel mit weißer Kreide

Arbeitgebersiegel im Vergleich

Bioland, demeter, Der blaue Engel, Fairtrade … Siegel, wohin man auch schaut. Der Versuch, die eigene Marke mit einem Siegel aufzuwerten, hat mittlerweile auch den Arbeitgeber-Markt erreicht. Es gibt kaum eine Unternehmenswebseite, die die eigenen Vorzüge nicht mit einem Siegel zu untermauern versucht. Wer soll da noch den Überblick behalten? Wir stellen Ihnen hier die aus unserer Sicht wichtigsten Arbeitgeber-Siegel vor!

Unterschiedliche Kategorien von Arbeitgebersiegeln

Um ein wenig Struktur in die Herkunft und Ziele der Arbeitgebersiegel zu bekommen, versuchen wir diese einmal zu kategorisieren: 

  • Manche Siegel werden im Rahmen von Wettbewerben verliehen. Arbeitgeber liefern die angefragten Informationen/Kennzahlen, und eine Jury bewertet diese. 
  • Andere Siegel hingegen werden aufgrund von unabhängigen Befragungen verliehen. Hier schätzen Außenstehende ein, wie das Unternehmen als Arbeitgeber fungiert. 
  • Für einige Siegel reicht die Selbstverpflichtung des Arbeitgebers aus, ein gewisses Verhalten an den Tag zu legen.
  • Dann gibt es Siegel, die Unternehmen für ihren Verhaltenskodex auszeichnen. 
  • Auch Audits oder Zertifizierungen liefern nach erfolgreichem Bestehen ein Siegel. Hierbei wird die Erfüllung festgelegter Vorgaben von außen geprüft. 
  • Zu guter Letzt gibt es noch die Siegel von Bewertungsplattformen
  • Für die Erlangung einiger Siegel entstehen keine Kosten (im Rahmen von Wettbewerben, o. ä.), andere Siegel können direkt „eingekauft“ werden. 

Wenn man sich also ein Bild von einem Unternehmen aufgrund der ihm verliehenen Arbeitgebersiegel machen möchte, sollte man genau prüfen, wer die Informationen, die die Grundlage für die Vergabe der Siegel bildeten, zur Verfügung gestellt hat. 

Was kosten Arbeitgebersiegel?

Viele Anbieter machen es den Unternehmen schwer, sich über die mit dem angebotenen Siegel verbunden Kosten zu informieren. Einige wenige Anbieter hingegen gehen sehr transparent mit den Kosten um. Bei Trendence z. B. kostet es 2.490 Euro, wenn man das erhaltene Siegel in Broschüren abdrucken möchte. Für Kunden, die andere Produkte von Trendence wie individuelle Marktforschungen oder andere Employer-Branding Leistungen buchen, ist das Siegel im Beratungshonorar allerdings inbegriffen. Das Zertifikat vom Top Employers Institute kostet 12.000 Euro – unabhängig von der Größe des Unternehmens. Die Zertifizierung vom TÜV Rheinland schlägt bei einem Unternehmen mit 300 Mitarbeitern und einem Standort mit 5.000 bis 6.000 Euro zu Buche. In den zwei Jahren Überwachung des Unternehmens durch den TÜV werden weitere 4.000 bis 6.000 Euro fällig. Das Zertifizierungsverfahren von berufundfamilie bewegt sich in einer ähnlichen Preisspanne: Hier kostet das Komplettpaket für ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern 12.000 Euro. Bei Kosten dieser Höhe ist es durchaus legitim, den Nutzen solcher Arbeitgebersiegel für das eigene Unternehmen zu hinterfragen.

Zehn wichtige Arbeitgebersiegel im Überblick

Top Employers Institute: Top Employer

Um als „Top Employer“ zertifiziert zu werden, füllt das Unternehmen im ersten Schritt einen „HR Best Practices Fragebogen“ aus. Hiermit wird der Status Quo der Personalarbeit ermittelt. Die gemachten Angaben werden analysiert und überprüft. So wird festgestellt, ob sie dem weltweiten Standard des Institutes entsprechen. Ist diese Prüfung erfolgreich abgeschlossen worden, erfolgt die Auszeichnung als „Top Employer“. Das Unternehmen kann sich damit als „Employer of Choice“ positionieren. Es gibt auch ein detailliertes Feedback zu den gemachten Angaben. 

TÜV Rheinland: Ausgezeichneter Arbeitgeber

Die Zertifizierung zum „Ausgezeichneten Arbeitgeber“ bezieht sich auf das Personalmanagement (z. B. Ethik, Unternehmenskultur, effektives Personalmarketing) und kann in zwei Stufen erfolgen. Das Grundmodul umfasst ein Audit vor Ort, in dem überprüft wird, ob es definierte Werte und Ziele gibt, ob ganzheitliche Konzepte etabliert und Prozesse zur Umsetzung implementiert wurden. Dafür werden Personalverantwortliche interviewt und Nachweise geprüft, und stichprobenartig spricht man auch mit Mitarbeitern. Die Zusatzmodule beziehen sich auf einzelne, innovative Personalthemen (z. B. Elternfreundlichkeit oder aktives Gesundheitsmanagement). Hiermit sollen Unternehmen die Möglichkeit bekommen, sich individuell zu profilieren. 

berufundfamilie: Audit berufundfamilie

Das Audit „berufundfamilie“ hat zum Ziel, die Personalpolitik der Unternehmen auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben auszurichten. Nach der Erhebung eines Status Quo und einer Bedarfsanalyse wird das Entwicklungspotenzial des Unternehmens ermittelt. Strategische Ziele werden festgelegt, genauso wie konkrete Maßnahmen. Am Schluss gibt es eine Zielvereinbarung. Das Audit umfasst acht Handlungsfelder: Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Information und Kommunikation, Führung, Personalentwicklung, Entgeltbestandteile und geldwerte Leistungen sowie Service für Familien. 

kununu: Top Company / Open Company

Bekommt ein Unternehmen auf kununu mindestens sechs Mitarbeiterbewertungen und erreicht wenigstens drei von fünf Punkten, so darf es sich „Top Company“ nennen und dieses Siegel in Stellenanzeigen und E-Mail-Signaturen nutzen. „Open Company“ darf sich ein Unternehmen nennen, wenn es seine Mitarbeiter motivieren kann, Kommentare zum Unternehmen einzustellen, wenn es selber Kommentare einstellt oder wenn es ein Firmenprofil oder einen kostenpflichtigen Werbeauftritt bei kununu oder Xing (Muttergesellschaft von kununu) schaltet.

karriere.de: Fair Company

Dieses Siegel ist interessant für Studenten und Absolventen. Das Unternehmen muss einen Fragebogen ausfüllen, der vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE Ludwigshafen) ausgewertet und analysiert wird.
Folgende Kriterien muss ein Arbeitgeber erfüllen, um das Siegel zu bekommen: 1. Das Unternehmen muss Studierenden Praktikumsplätze anbieten, die der beruflichen Orientierung dienen. 2. Es gibt klar definierte Aufgaben und Ziele sowie festgelegte Vorgesetzte und Ansprechpartner, die spätestens am ersten Arbeitstag feststehen. 3. Die Einstellung von Praktikanten geschieht für einen sinnvollen Zeitraum. Freiwillige Praktika dauern nicht länger als sechs Monate. Längere Zeiträume werden nur vereinbart, wenn die Studienordnung des Studierenden dies vorsieht. Praktikumsplätze werden nicht immer und immer wieder verlängert, dem Praktikanten wird stattdessen eine reguläre Stelle angeboten. Eine Festanstellung wird nicht als Köder für ein Praktikum genutzt. 4. Ein Praktikum wird nicht dafür genutzt, die Eignung für eine Festanstellung zu beweisen. Dafür gibt es die reguläre Probezeit. 5. Die Bezahlung ist adäquat. Mehrmonatige Einsätze sollten in Höhe des Bafög-Höchstsatzes entlohnt werden. Weniger gibt es nur bei Schnupper- und Schülerpraktika. 6. Das Unternehmen arbeitet transparent, was Aufgaben, Ansprechpartner und Ziele des Praktikums betrifft. Feedback an karriere.de wird aktiv unterstützt. Die Regeln des Fair-Company-Codex sind einsehbar. 

Xing: New Work

Ziel dieses Siegels ist die Auszeichnung von engagierten Arbeitgebern und die Messbarkeit von New Work. Die NEW WORK SE (Mutterunternehmen von XING) und die Handelshochschule Leipzig HHL arbeiten hierbei zusammen. Durch die HHL erhält dieses Siegel seinen wissenschaftlichen Touch. Analysiert werden das Mitarbeiterfeedback auf kununu sowie ein von den Unternehmen ausgefüllter Fragenkatalog. Untersuchungskriterien sind individuelle Entfaltungsmöglichkeiten, Transparenz, Wertschätzung, Führungsverhalten und Organisation. Nach der wissenschaftlichen Analyse durch die HHL erfolgt bei einer erfolgreichen Bewertung das NEW WORK Arbeitgebersiegel.

Focus Business und kununu: „Top Arbeitgeber Mittelstand“

Als Basis dieser Auszeichnung dienen die Unternehmensprofile, die auf dem Bewertungsportal kununu zu finden sind. Die Unternehmensprofile werden nach Kriterien gefiltert, die die Anzahl und die Qualität der Bewertungen betreffen. Der Unternehmensstandort muss in Deutschland sein, und die Unternehmen dürfen zwischen elf und 500 Mitarbeiter haben. Die Ergebnisse werden nach Branchen und Regionen sortiert. Ausgezeichnete Unternehmen dürfen das Focus-Siegel erwerben und dann einsetzen.

Great Place to Work: „Deutschlands beste Arbeitgeber“

Dieses Siegel wird auf der Basis von Mitarbeiterbefragungen verliehen, die einem internationalen Standard entsprechen. Die internen Angaben werden durch eine externe Prüfung überprüft, darüber hinaus werden personalwirtschaftliche Kennzahlen bewertet. Mit dem Siegel werden Unternehmen aus dem Mittelstand sowie aus den Bereichen Ingenieur und Automotiv ausgezeichnet. Nach der Auszeichnung erhalten die Unternehmen durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein Zertifikat, einen HR-Benchmark-Report und ein individuelles Feedback. Es werden jährlich mehr als 100.000 Beschäftigte in 700 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen befragt.

Top Job: „Die besten Arbeitgeber im Mittelstand“

Dieses Siegel ist eine Kombination aus einem strategischen Steuerungsinstrument und einer Auszeichnung. Die Arbeit startet mit einer Analyse, die aus einer Mitarbeiterbefragung und einem Audit des Personalmanagements besteht. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen. Aus der hieraus gewonnenen Auswertung entstehen konkrete Handlungsempfehlungen, die zu Entwicklungsmaßnahmen ausgearbeitet werden. Nach einer erfolgreichen Zertifizierung wird das Arbeitgebersiegel verliehen.

Glassdoor: „Beste Arbeitgeber Deutschlands“

Dieser jährliche Award spiegelt die Mitarbeiterzufriedenheit wieder. Dabei werden die Unternehmen nicht um eine Selbsteinschätzung gebeten, sondern man greift auf das Feedback der Mitarbeiter zurück. Anonym können Arbeitnehmer auf der Glassdoor-Plattform Bewertungen zu den Bereichen Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur und Management abgeben. Die durchschnittliche Gesamtbewertung führt zur Platzierung.

Fazit

Der Markt der Unternehmensbewertungen, -zertifizierungen und Siegelvergaben boomt. Momentan gibt es in Deutschland ca. 200 Anbieter von diversen Siegeln, vor drei Jahren waren es gerade mal 70. Die Meinungen bzgl. der Sinnhaftigkeit von solchen Siegeln gehen dabei allerdings sehr weit auseinander. Die stetig steigenden Vakanzzeiten treiben Unternehmen oftmals dazu, viel Geld in Arbeitgebersiegel zu investieren, um ihre Qualitäten als Arbeitgeber überzeugend untermauern zu können. Sie hoffen darauf, dass die Siegel eine ähnliche Funktion wie die Bewertungsportale beim Online-Shoppen erfüllen. Außerdem lässt sich solch ein Siegel auch sehr gut für eine professionelle PR-Kampagne nutzen, um in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Böse Stimmen hingegen sagen, dass Zertifikate nur ein Indiz für einen aufgeblähten Verwaltungsapparat seien und eher eine innenorientierte Daseinsberechtigung hätten. Um für sich eine Entscheidung treffen zu können und ein für das eigene Unternehmen geeignete Siegel zu finden, hilft neben einer sorgfältigen Recherche vielleicht auch das kostenpflichtige Tool „Zert-O-Mat“. Viele Filtermöglichkeiten erleichtern die Vergleichbarkeit der diversen Siegel.

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