Wissenstransfer | Definition, Methoden & Beispiele

Wissenstransfer

Wissenstransfer Definition

Unter Wissenstransfer versteht man den Austausch und die Weitergabe von Wissen innerhalb eines Unternehmens. Die Idee hierbei ist, durch eine systematische Vernetzung langfristig einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. 

Wissenstransfer Bedeutung & Vorteile

Wenn Fach- oder Führungskräfte ein Unternehmen verlassen, kann dies einen enormen Wissensverlust für das Unternehmen mit sich bringen. Diesem kann durch einen erfolgreichen Wissenstransfer entgegengewirkt werden. Ziel ist, dass die nachfolgende Arbeitskraft sich bei ihrer Einarbeitung nicht auf nur auf Aufzeichnungen und Dokumente stützt, sondern darüber hinaus auch auf gemachte Erfahrungen sowie Fähigkeiten zurückgreifen kann. Ein strukturierter Wissenstransfer ist jedoch nicht nur für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter hilfreich, sondern kann darüber hinaus auch die Produktivität und Innovationsfähigkeit eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen.

Wissenstransfer Methoden

Wissenstransfer Unterscheidung

Es gibt zwei verschiedene Ansätze, wie ein strategischer Wissenstransfer in die Praxis umgesetzt werden kann:

1. Personifizierter Wissenstransfer

Der Personifizierte Wissenstransfer kann sowohl systematisch geplant als auch spontan erfolgen. Hierbei werden Wissen und Erfahrungen auf persönlicher Ebene ausgetauscht und diskutiert. Dies kann beispielsweise im Rahmen zwangloser Gespräche oder im Rahmen von Workshops oder speziellen weitergehenden Arbeitskonzepten sein. 

2. Kodifizierter Wissenstransfer

Ein Wissenstransfer über spezielle Kommunikations- und Informationssysteme nennt man kodifizierten Wissenstransfer. Von großer Bedeutung sind hier vor allem langfristig angelegte Datenbanken.

Wissenstransfer Beispiele

Personifizierter Wissenstransfer 

Altersgemischte Teams

Bei dieser Art des Wissenstransfers arbeiten ältere Mitarbeiter und jüngere Kollegen im Team zusammen. Ziel dabei ist der natürliche, spontane Wissenstransfer, indem Ältere ihre persönlichen Erfahrungen und Jüngere aktuell erlerntes theoretisches Wissen austauschen. Diese Art des Austauschs bringt zahlreiche Vorteile mit sich. So wird durch die gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung beispielsweise die Mitarbeiterzufriedenheit erhöht. Darüber hinaus ergeben sich vielfältige Problemlösungsansätze, die die Innovations- und Leistungsfähigkeit einer Abteilung stark erhöhen können.

Lerntandems

Hier übernehmen ein erfahrener und ein unerfahrener Mitarbeiter für einen begrenzten Zeitraum gemeinsam verschiedene Aufgaben. Mit der zunehmenden Kompetenz der Nachwuchskraft ergibt sich für die Fachkraft die Möglichkeit, sich schrittweise zurückzuziehen. Eine solche Form von Wissenstransfer kann recht flexibel und ohne viel Vorbereitung eingesetzt werden und ermöglicht eine schnelle Einarbeitung von Nachwuchskräften. Damit diese Methode sinnvoll eingesetzt werden kann ist es von Bedeutung, dass die Lehrperson gewisse Lehrkompetenzen aufweist, um so eine strukturierte Weitergabe von Wissen zu ermöglichen.

Mentoring

Beim Mentoring wird ein erfahrener Mitarbeiter als Mentor für einen unerfahrenen Mitarbeiter eingesetzt. Anders als bei der Methode der Lerntandems arbeiten diese beiden Parteien jedoch nicht zusammen, sondern unabhängig voneinander. Der Mentor gilt hier als Ansprechpartner bei Fragen und Problemen. Die Einarbeitung erfolgt also im Idealfall sehr praxisnah, wodurch von Beginn an eigene Erfahrungen gesammelt werden. Darüber hinaus kann eine solche soziale Vernetzung die persönliche Unternehmensbindung fördern.

Moderierte Übergangsgespräche

Ein strukturierter Wissenstransfer kann auch in Form von moderierten Übergangsgesprächen erfolgen. Solche Gespräche bieten sich vor allem an, wenn Fachkräfte ein Unternehmen verlassen. In dem Fall finden sich ein Moderator sowie die jeweilige Fach- oder Führungskraft und ihr Nachfolger zusammen, um in einem strukturierten Dialog Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Thematisiert werden soll dabei vor allem das, was für die Fachkraft alltäglich und selbstverständlich ist. Themen können also Rollen im Unternehmen, Netzwerke, Kommunikationsstile, Traditionen oder wichtige Ereignisse sein. Der Moderator versucht ein solches Gespräch sinnvoll zu strukturieren, und zu garantieren, dass die Nachwuchskraft sämtliche wichtige Informationen erhält.  

„Lessons learned“

Bei diesem Konzept geht es in erster Linie um die Einsichten und Erkenntnisse, die Arbeitnehmer durch eigene Erfahrungen im Rahmen der Ausübung ihrer Tätigkeiten erlangen. Die aktive Umsetzung der „lessons learned“-Methode erfolgt wie folgt:

  • Aktiv beteiligte Arbeitnehmer sind angehalten, ihre positiven sowie negativen Erfahrungen zu dokumentieren
  • In speziellen Workshops sollen diese gesammelten Erfahrungen ausgetauscht, kommuniziert und diskutiert werden
  • Auf die gemeinsame Analyse erfolgt die Herausbildung von Handlungsempfehlungen

Kodifizierter Wissenstransfer

Lexikon

Ein betriebsinternes Lexikon kann Kompetenzen, Erfahrungen, Projekte, Sprach- oder IT-Kenntnisse und Kontaktdaten einzelner Mitarbeiter beinhalten, um dadurch eine fachliche Vernetzung der Mitarbeiter zu ermöglichen. Dies garantiert zwar nicht, Wissen langfristig in einem Unternehmen zu halten, erlaubt es Arbeitnehmern jedoch temporär, die richtigen Ansprechpartner für ihre Fragen zu finden. Wichtig ist hierbei, dass ein solches Lexikon regelmäßig aktualisiert wird.

FAQ-Sammlung (FAQ = frequently asked questions)

In einer sogenannten FAQ-Sammlung werden regelmäßig auftretende Fragen beantwortet und Probleme geklärt. Kontinuierliche Ergänzungen und Aktualisierungen ermöglichen eine einfache Fehlervermeidung und einen flüssigen Arbeitsablauf. 

Betriebsinternes WIKI

Hier bauen die Mitarbeiter ein selbständiges Wissensnetzwerk auf, indem sie sämtliche Erfahrungen und Aspekte, die für zukünftige Probleme oder Projekte von Wert sein könnten, digital zusammentragen. Da jegliche Unternehmensmitarbeiter Zugriff auf ein solches System haben und ihre Beiträge gegenseitig korrigieren oder ergänzen können, entfällt die Notwendigkeit einer zentralen Verwaltung, wodurch nicht nur Geld sondern auch Zeit gespart werden kann. Darüber hinaus kann eine solche persönliche Einbindung der Mitarbeiter die Mitarbeiterbindung fördern.