Fachkräftemangel l Definition, Ursachen, Folgen & Maßnahmen

Fachkräftemangel

Fachkräftemangel Definition

Als Fachkräftemangel wird die langfristig anhaltende Knappheit gut ausgebildeter Fachkräfte, das heißt der Zustand, in der die Anzahl offener Arbeitsplätze die Zahl verfügbarer Arbeitnehmer weitgehend übersteigt, bezeichnet. Ein solcher Mangel entwickelt sich aus einem sogenannten Fachkräfteengpass. Erste Anzeichen sind ein eine überdurchschnittlich lange Besetzungszeit sowie eine extreme Gehaltsentwicklung.

Fachkräftemangel Entstehung und Ursachen

Ein Fachkräfteengpass und später der Fachkräftemangel sind oftmals eine Folge des demographischen Wandels. Durch die zunehmende Überalterung sowie das Sinken der Geburtenrate nimmt auch der Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung ab. Weitere Gründe, weshalb die Anzahl qualifizierter Fachkräfte zurückgeht, können eine hohe Abwanderungsquote sowie schlechte Bildungsstandards sein. Außerdem spielt auch hier, wie in vielen Bereichen der Wirtschaft, die Digitalisierung eine große Rolle. Sie ist ein Auslöser dafür, dass viele Berufe mit der Zeit an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig entstehen  jedoch neue Verantwortungsbereiche, die ein komplexeres Fachwissen voraussetzen –  was durch die kontinuierliche Abnahme der Verfügbarkeit hochqualifizierter Nachwuchskräfte allerdings zum Problem wird.  

Fachkräftemangel in Deutschland?

Die Bundesagentur für Arbeit gibt an, dass es zu früh ist, um in Deutschland von einem flächendeckenden Fachkräftemangel zu sprechen, obwohl der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in einigen Bereichen bereits seit Jahren deutlich zu spüren ist. Besonders betroffene Branchen sind die Pflege, Medizin, Handwerk, technische Berufe sowie sämtliche MINT-Berufsgruppen. Bereits mehr als 50% der deutschen Unternehmen geben an, im Fachkräftemangel schon heute ihre größte Bedrohung zu sehen. 

Bei der Problematik der Gewinnung von Fachkräften sind in Deutschland, obwohl es sich um ein bundesweites Problem handelt, starke regionale Disparitäten auszumachen. Während nördliche und westliche Bundesländer sowie Stadtstaaten verhältnismäßig gut gestellt sind, leiden besonders die südlichen Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg an der Problematik des Fachkräftemangels. Darüber hinaus kommt es besonders in ländlichen Regionen zu einem ausgeprägten Mangel an Nachwuchskräften, und Prognosen besagen, dass sich die Problematik hier auch zukünftig weiter verschärfen wird. 

Fachkräftemangel Folgen

Nicht nur bleiben Ausbildungsstellen sowie Führungspositionen durch den Fachkräftemangel unbesetzt, sondern die gesamte Wertschöpfungskette einer Wirtschaft sowie künftiges Wirtschaftswachstum werden durch das Fehlen der wichtigsten Ressource, des Humankapitals, ausgebremst. Dadurch können zahlreiche Unternehmen langfristig ihre Leistungen nicht mehr erbringen, was zu einer Bedrohung der gesamten Volkswirtschaft führt. 

Fachkräftemangel Maßnahmen

Unternehmensinterne Maßnahmen

  • Qualifizierung eigener Fachkräfte, z.B. durch das Anbieten von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Internationales Mitarbeitermanagement, d.h. Anwerben von Fachkräften aus dem Ausland
  • Überregionale Recruitingstrategie, z.B. durch e-Recruiting sowie den Einbezug sozialer Netzwerke
  • Bewerberorientierte Mitarbeitersuche
  • Erhöhung der Arbeitszeit
  • Schaffung von Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Karriere, z.B. durch Flexibilisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort oder Bereitstellung von Kinderbetreuungsangeboten
  • Erhöhung der Produktivität durch Digitalisierung
  • Implementierung von Anreizsystemen für Fachkräfte
  • Maßnahmen der Mitarbeiterbindung
  • Steigerung des Bekanntheitsgrads des Unternehmens

„Fünf Sicherungspfade der Bundesregierung“

Aktivierung und Beschäftigungssicherung

  • Versuch, ältere Menschen möglichst lange, zum Beispiel durch die staatliche Erhöhung des Renteneintrittsalters oder die Flexibilisierung der Arbeitszeit, an ihre Erwerbstätigkeit zu binden
  • Versuch, arbeitslose sowie nicht arbeitende Personen wieder in die Erwerbstätigkeit einzugliedern

Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  • Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit durch eine familienbewusstere Arbeitswelt; Thematisierung der unzureichenden Betreuungsinfrastruktur sowie der mangelnden Arbeitszeitflexibilität

Bildungschancen von Anfang an

  • Verbesserte frühkindliche Bildung und Unterstützung der Eltern
  • Schaffung von Lebens- und Entwicklungschancen für Kinder mit sozial schwachem Hintergrund
  • Verringerung der Schulabbrecherquote

Qualifizierung: Aus- und Weiterbildung

  • Projekte zur Weiterbildung unternehmenseigener Mitarbeiter
  • Senkung der Abbrecherquote bei Berufsausbildungen
  • Förderung der Aufnahme eines Studiums
  • Erhöhung der Bildungsqualität

Integration & qualifizierte Zuwanderung

  • Vereinfachung der Anerkennung ausländischer Qualifikationen
  • Migrationsberatung, Integrationskurse & Sprachförderung