- kununu: Das Arbeitgeberbewertungsportal
- Löschen von schlechten Arbeitgeberbewertungen
- 7 Tipps, was zu tun ist, wenn die Arbeitgeberbewertung zwar schlecht ist, aber nicht gegen die kununu-Regeln verstößt
- Auf jeden Fall reagieren!
- Standardfloskel oder ausführlicher Kommentar?
- Zuerst analysieren, dann antworten
- So sieht eine angemessene Reaktion aus
- Auch Dementis sind erlaubt
- Reaktion wird belohnt!
- Kontaktmöglichkeiten anbieten, und zwar konkret
- Der rechtliche Weg
- So geht es nach einer berechtigten schlechten Arbeitgeberbewertung weiter
- Sorgen Sie für viele Bewertungen (von Mitarbeitenden und Bewerbenden)
kununu: Das Arbeitgeberbewertungsportal
Vorab die Frage aller Fragen: „Liest das überhaupt jemand?“ Die Zahlen sind hier recht eindeutig. Mehr als jede zweite Jobinteressentin beziehungsweise jeder zweite Jobinteressent liest Arbeitgeberbewertungen und vier von fünf Befragten lassen sich in ihrem Beschluss von den Bewertungen beeinflussen. Gerade jüngere Arbeitnehmende nutzen Plattformen wie kununu oder Glassdoor. Ein professionelles Bewertungsmanagement wird damit zu einem zentralen Baustein in der Arbeitgeberkommunikation. Insofern ist die Antwort eindeutig: „Ja, die Bewertungen werden gelesen!“
Mit 4 Millionen Bewertungen von mehr als 900.000 Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern (Quelle: kununu) hat die Bewertungsplattform kununu einiges an Lesestoff zu bieten. Damit es beim anonymen Bewerten nicht drunter und drüber geht, hat kununu einige Regeln festgelegt. Grob zusammengefasst heißt das: Es dürfen keine Personen bewertet werden. Es dürfen keine internen Firmengeheimnisse preisgegeben werden. Es dürfen keine beleidigenden, rufschädigenden, rassistischen oder diskriminierenden Äußerungen gemacht werden.
Dafür hat kununu 8 goldene Regeln aufgestellt:
- Keine Nennung von Namen. Keine Rückschlussmöglichkeiten auf konkrete Personen – so soll eine anonyme Bewertung gewährleistet bleiben.
- Keine Veröffentlichung von firmeninternen Informationen. Behauptungen müssen schriftlich nachgewiesen werden können. Bei Zweifeln seitens des Unternehmens muss nachgewiesen werden können, dass die Bewertung von einer oder einem ehemaligen oder aktuellen Mitarbeitenden abgegeben wurde. Ist kein Nachweis möglich, wird die Bewertung nicht online gestellt.
- Keine Kritik an der Produktqualität.
- Keine politischen, rufschädigenden, rassistischen, beleidigenden, diskriminierenden oder vulgären Aussagen.
- Keine Links.
- Keine Bewertung von Vermittlungsfirmen oder Recruiterinnen oder Recruitern. Bewertungen von Personalvermittlungen können unter „Bewerbungsbewertungen“ vorgenommen werden.
- Unterteilung beachten: Bewerbungsbewertungen im Bereich „Bewerbung“ vs. Arbeitgeberbewertung im Bereich „Arbeitgeber“.
- Keine generalisierten Tatsachen, sondern eigene Meinungen und Erfahrungen wiedergeben. Ansonsten droht Gefahr, dass Kommentare angezweifelt und als unwahr bewiesen werden können.
Löschen von schlechten Arbeitgeberbewertungen
Wenn die 8 goldenen Regeln bei der Bewertung beachtet worden sind, ist es gar nicht so einfach, Einträge mit schlechten Bewertungen zu löschen.
Werden in den Beiträgen falsche Tatsachen aufgeführt (wird also schlichtweg gelogen), oder handelt es sich dabei um Schmähkritik (Definition lt. Wikipedia: Die Schmähkritik ist eine Äußerung, bei der nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht. Polemische oder überspitzte Kritik ist hiervon noch nicht erfasst; erforderlich ist vielmehr, dass die Meinungsäußerung in der Herabsetzung der Person besteht.), kann rechtlich gegen die Bewertung auf kununu vorgegangen werden. Spezialisierte Fachanwälte können helfen, rechtswidrige Bewertungen auf Plattformen wie kununu entfernen zu lassen.
7 Tipps, was zu tun ist, wenn die Arbeitgeberbewertung zwar schlecht ist, aber nicht gegen die kununu-Regeln verstößt
Auf jeden Fall reagieren!
Das erste ungeschriebene Gesetz lautet: Eine schlechte Arbeitgeberbewertung bei der Bewertungsplattform kununu muss auf jeden Fall kommentiert werden. Im Moment machen das nur 1 % der arbeitgebenden Unternehmen, aber das Signal, das damit gesendet wird, ist verheerend. Wird nämlich eine negative Bemerkung unkommentiert gelassen, sehen viele Nutzende das als Zustimmung, und die negative Bemerkung wird als Wahrheit wahrgenommen.
Standardfloskel oder ausführlicher Kommentar?
Enthält die Bewertung nur wenige Sterne, aber sonst keinerlei Begleitinformationen, kann eine standardisierte Antwort ausreichend sein. Auch hierbei gilt: Höflich bleiben und eine persönliche Kontaktmöglichkeit für einen weiterführenden Dialog angeben. Eine solche Standardantwort könnte so aussehen: „Vielen Dank für Ihre Bewertung. Da uns eine offene Feedbackkultur wichtig ist, nehmen wir Ihre Stellungnahme sehr ernst. Bitte kontaktieren Sie uns, so dass wir Ihre Kritikpunkte verstehen und die Situation in unserem Unternehmen verbessern können.“
Hat die Nutzerin oder der Nutzer in der Bewertung allerdings viel geschrieben, Beispiele von Dingen gegeben, die nicht rund gelaufen sind, oder wurde faktenreich auf (vermeintliche) Missstände hingewiesen, dann reicht eine Standardfloskel nicht aus. Auf Jobinteressierte, die schließlich die Hauptzielgruppe eines aktiven Feedbackmanagements darstellen, wirkt das so, als würde der Arbeitgeber Kritik nicht ernst nehmen. Copy & Paste reicht in dem Fall nicht, hier muss das Unternehmen ernsthaft an einem Kommentar arbeiten.
Zuerst analysieren, dann antworten
Der erste Schritt ist also: Die Bewertung bei kununu in Ruhe lesen, durchatmen und danach eine Nacht darüber schlafen. Am nächsten Tag kann man sich der Bewertung wieder widmen. Nun gilt es, die Bewertung zu analysieren. Hierbei ist es wichtig, die Fakten von Emotionen zu trennen. Bei der sachlichen Auseinandersetzung stellt man vielleicht fest, dass einige Kritikpunkte durchaus ihre Berechtigung haben. Hinter jeder Kritik steckt meist ein konkreter Grund. Diesen gilt es zu erkennen und als Chance zur Verbesserung zu nutzen. Hat man die Bewertung analysiert und man konnte einen klaren internen Beschluss fassen, sollte man für sich selbst eine Übersicht erstellen: Welche Kritikpunkte wurden genannt? Welche davon treffen wirklich zu und müssen behoben werden? Wobei handelt es sich um Emotionen?
So sieht eine angemessene Reaktion aus
Um eine aufgeheizte Stimmung ein wenig zu beruhigen, gibt es ein Zauberwort, mit dem die Antwort beginnen sollte: „Danke“! So fühlt sich die oder der Bewertende abgeholt und das Unternehmen vermittelt das Gefühl, dass es der Kritik offen gegenübersteht und diese annimmt.
Ganz wichtig ist es, dass man sich dabei nicht die Blöße gibt und zu einem aggressiven Gegenschlag ausholt. Zu Statements wie „Mehr Schein als Sein” – „Diese Beurteilung geben wir gerne an Sie, lieber Ex-Mitarbeiter XY, zurück.“ sollte man sich nicht hinreißen lassen.
Größe zeigt, wer Kritikpunkte, die der Wahrheit entsprechen, offen anspricht und zugeben kann. Aussagen wie „Vielen Dank für das Aufzeigen dieses Problems. Wir haben die Kritik verstanden und kümmern uns darum.“, gepaart mit konkreten Maßnahmen, signalisiert die echte Bereitschaft zur Veränderung. Auch eine ernst gemeinte Entschuldigung für den entstandenen Eindruck verbessert die Reputation.
Ein Feedback auf kununu sollte so formuliert werden, dass potenzielle Bewerbende trotz kritischer Bewertung einen positiven Eindruck von dem Unternehmen erhalten. Bei einem kritikfähigen arbeitgebenden Unternehmen fängt man gerne an.
Auch Dementis sind erlaubt
Handelt es sich hingegen um falsche Behauptungen bei der Bewertungsplattform kununu, darf man dementieren. Aber auch hier gilt die Prämisse: sachlich und informativ. Bemängelt ein Nutzer zum Beispiel eine „sehr hohe Mitarbeiterfluktuation“, dann darf entgegengesetzt werden, dass die Mitarbeiterfluktuation im betreffenden Unternehmen dem Durchschnitt in vergleichbaren Unternehmen entspricht.
Reaktion wird belohnt!
Arbeitger, die Stellung zu Bewertungen bei kununu beziehen, werden mit dem Siegel „Open Company“ ausgezeichnet. Eine gute Feedbackkultur wird von potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern sehr geschätzt. Noch ein Grund, warum es sich lohnt, auch negative Bewertungen zu kommentieren!
Kontaktmöglichkeiten anbieten, und zwar konkret
Auch wenn fast 70 % der reagierenden Arbeitgebern die Nutzerinnen und Nutzer zu einem Dialog auffordern, versäumen es zwei Drittel davon, eine konkrete Kontaktmöglichkeit anzubieten. Unverbindliche Angaben wie „Kontaktieren Sie unseren Personaler“ oder Ähnliches wirken nicht sehr einladend. Hier sollte man schon eine persönliche E-Mail-Adresse oder Telefonnummer angeben – idealerweise verbunden mit dem Angebot für ein vertrauliches Gespräch.
Der rechtliche Weg
Manchmal reicht eine sachliche Antwort nicht aus. Vor allem dann, wenn eine Bewertung auf kununu nicht nur übertrieben wirkt, sondern schlichtweg unwahr ist. In solchen Fällen ist ein rechtliches Vorgehen gegen die Bewertung auf kununu möglich.
Ein bewährter Tipp: Ziehen Sie einen Fachanwalt für Medien- oder IT-Recht hinzu. Dieser kann sich ein Urteil darüber bilden, ob die Bewertung tatsächlich gegen geltendes Recht verstößt – etwa durch Verleumdung, üble Nachrede oder unwahre Tatsachenbehauptungen. Bereits mehrere Beschlüsse von Oberlandesgerichten (kurz: OLG) haben Arbeitgebern recht gegeben, wenn die Anonymität der verfassenden Person zur Veröffentlichung von rufschädigenden Inhalten ausgenutzt wurde.
Ein wichtiger Tipp hierbei: In Einzelfällen kann vor Gericht die Offenlegung des Klarnamens der oder des Bewertenden verlangt werden, vor allem besonders dann, wenn der Wahrheitsgehalt der Bewertung zweifelhaft ist. Das OLG Hamburg, das OLG Frankfurt und auch das OLG München haben hierzu bereits wegweisende Urteile und Beschlüsse gefällt. Diese machen klar: Die Anonymität ist kein Freifahrtschein für Diffamierung. Durch ein aktuelles Urteil haben Unternehmen das Recht, sich zu wehren. Insbesondere dann, wenn die Bewertung nachweislich nicht von einer oder einem (ehemaligen) Mitarbeitenden stammt.
Die Durchsetzung eines solchen Antrags erfolgt, idealerweise mit Unterstützung eines Fachanwalts, über ein Verfahren beim zuständigen Gericht. Ziel ist es, entweder den Eintrag löschen zu lassen oder über eine Auskunft den Klarnamen zu erfahren. Gerade wenn falsche Behauptungen erhebliche Auswirkungen auf das Image und die Bewerberanzahl haben, ist dieser Weg eine mögliche und oft notwendige Option im Umgang mit extrem negativen Bewertungen. Aber auch hier gilt wie so oft: Ohne Beweise kein Urteil und ohne Urteil bleibt die Bewertung bestehen.
Ein weiterer Tipp: Auch ohne direkte Löschung ist es manchmal durch einen richterlichen Beschluss möglich, dass das Bewertungsportal eine Gegendarstellung oder Einschränkung veröffentlicht. Dies kann helfen, die eigene Position darzulegen und Klarheit zu schaffen.
Zusammengefasst: Der Umgang mit rufschädigenden Inhalten darf nicht im Leeren verlaufen. Das Recht bietet klare Wege und mit juristischer Unterstützung sowie dem Verweis auf einschlägige Urteile des Oberlandesgerichts ist oft mehr möglich, als viele denken.
So geht es nach einer berechtigten schlechten Arbeitgeberbewertung weiter
Das Unternehmen wurde bei kununu schlecht bewertet, es erfolgte ein professionelles Feedback und es wurde Besserung versprochen. Doch nun muss es weitergehen, denn die aufgeführten Kritikpunkte sollten gezielt angegangen und möglichst beseitigt werden. Für die Analyse wurden schon alle faktischen Beurteilungen aufgelistet und auch die dazugehörenden emotionalen Aussagen notiert. Nun geht es ans Eingemachte: Wie sehen die tatsächlichen Prozesse Ihrer täglichen Arbeit in Ihrem Unternehmen aus? Geprüft werden sollten die wöchentliche Arbeitszeit, die Anzahl der Kolleginnen und Kollegen, die Größe des zu betreuenden Kundenstamms etc. Diese Erkenntnisse müssen mit den betreffenden Verantwortlichen aus dem Unternehmen besprochen werden. Wie kann der schlecht bewertete Arbeitsbereich verbessert werden? Manchmal reichen kleine Anpassungen und schon fühlt sich das Arbeiten für alle Arbeitnehmenden viel besser an. Nutzen Sie die Informationen, die Sie von den Bewertenden bekommen. Schon Bill Gates sagte: „Ihre unzufriedensten Kunden sind Ihre beste Lernquelle.“
Sorgen Sie für viele Bewertungen (von Mitarbeitenden und Bewerbenden)
Das Prinzip ist einfach: Je mehr Stimmen gehört werden, desto runder und ausgeglichener wird das Bild. Meistens melden sich jedoch nur unzufriedene Ex-Mitarbeitende zu Wort. Arbeitgeber sollten also versuchen, ihre zufriedenen Mitarbeitenden zum Abgeben von Arbeitgeberbewertungen zu animieren. Das müssen keine ausgeklügelten Kampagnen werden, in denen man sich Claqueure heranzieht, denn solche abgestimmten Ergebnisse werden schnell als Manipulation erkannt. Neutral formulierte Bewertungsaufforderungen, die vielleicht noch in bestehende Prozesse integriert werden, sind perfekt.
Auch Bewerberinnen und Bewerber können nach dem ersten Gespräch aufgefordert werden, eine Bewertung abzugeben. So entsteht ein authentisches Bild des Unternehmens, welches neben der Perspektive, die die Unternehmenswebseite zu bieten hat, auch echte Erfahrungen bietet.
